MC Bauchemie

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Kunst im Dialog - Bottrop 2011


In seinen Notizen zu dem Projekt hat Werner Haypeter bemerkt: »Das Kunstwerk greift - dem Nutzer der Räumlichkeiten meist nicht bewusst - in das Geschehen vor Ort ein.« Dies bedeutet, dass das Werk nicht als dekorative Zutat, sondern als ein "Mitspieler" im Handlungsablauf der Raumnutzung gesehen wird. Wichtig ist dabei, dass sich das Werk nicht in seinem Kunstcharakter von dem übrigen Raumgeschehen absetzt, sondern sich integriert, dabei aber doch, und sei es "unbewusst", als ein zusätzliches oder "fremdes" Element wahrgenommen wird, welches die Wahrnehmung schärft und intensiviert. Mit der Wahl von Beton und Epoxidharz hat sich Haypeter für die Verwendung von Materialien entschieden, die den Mitarbeitern und Gästen der MC-Bauchemie höchst vertraut sind und somit einen unmittelbaren Zugang für die Wahrnehmung bieten. Ein Element wie das Gestell mit den Sedimentiergefäßen dürfte der großen Mehrzahl der Besucher des Foyers ebenfalls bestens bekannt sein. Ungewöhnlich ist jedoch seine Aufstellung auf einem Sockel, so als handelte es sich dabei um eine Skulptur oder ein kulturgeschichtliches Exponat. Aufgrund ihrer Inszenierung werden diese vertrauten Utensilien nicht länger als Gebrauchsgegenstände, sondern mit einem Mal als ästhetische Formen erlebt. Ungewohnt ist ebenfalls die Entscheidung des Künstlers, die Sedimentiergefäße mit Epoxidharz zu füllen - ein im Forschungs- und Produktionsprozess des Betriebs unübliche Geste. Diese signalisiert dem Betrachter aber zugleich, dass die Mitarbeiter der MC aufgrund ihres Materialwissens im theoretischen Fall, dass die Gefäße beschädigt würden, ohne weiteres in der Lage wären, diesen Teil des Werks zu restaurieren. Damit stellen sich für jeden aufgeschlossenen Betrachter grundlegende Fragen nach dem Status des Kunstwerks in Zusammenhang mit dem Ort seiner Aufstellung. Solche Grundsatzfragen anzustoßen gehört unmittelbar zu Haypeters künstlerischer Intention und ist ein wesentlicher Teil seines Kunstverständnisses.

Ein zentraler Punkt des künstlerischen Ansatzes von Werner Haypeter ist, dass er Kunst nicht als einen in sich geschlossenen und um sich selbst kreisenden gesellschaftlichen Bezirk ansieht, sondern die künstlerische Tätigkeit immer als einen Forschungszweig im Austausch mit anderen gesellschaftlichen Teilsystemen verstanden wissen will. Dieser gesellschaftliche Aspekt seiner Kunst war schon früh ausgeprägt. So war Haypeter Ende der 1970er-Jahre, noch als Kunststudent an der Kunstakademie Düsseldorf, Mitglied der "Düsseldorfer Wandmalgruppe", die mit großen Wandmalaktionen gegen die Immobilienspekulation und für den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum in Düsseldorf-Bilk kämpfte. Bemerkenswert ist auch, dass er immer wieder den Dialog mit industriellen und technischen Produktionsbereichen suchte, da sich Haypeter der Tatsache bewusst ist, dass kreative Leistungen nicht das Privileg der Kunst sind, der Künstler jedoch auf das Materialwissen und das technische Know-how anderer gesellschaftlicher Felder zurückgreifen kann. Die Kunst allerdings vermag in besonderem Maße die Wahrnehmung, das Erleben und die emotionale Reaktion auf Materialien und Raumverhältnisse zu bereichern und zu intensivieren - dies auch in Kontexten außerhalb des Kunstbetriebs im engeren Sinne. Aus diesem Grund hat Haypeter verschiedentlich temporäre Rauminstallationen in Arbeitsräumen realisiert, so zum Beispiel in einem Bürogebäude am Friedrichsplatz in Mannheim (2000) und in der Sparkasse Essen (2002). Seine dauerhafte Installation im Foyer des Ausbildungszentrums der MC-Bauchemie in Bottrop ist ein konsequenter nächster Schritt für die künstlerische Forschungsarbeit dieses Künstlers im gesellschaftlichen Kontext von Arbeit und industrieller Produktion.

[Textauszug: Dr. Peter Lodermeyer: Kunst im Dialog in: »Werner Haypeters Installation im Foyer des Ausbildungszentrums der MC-Bauchemie in Bottrop«. Katalogheft. Hrsg. MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG, Bottrop, 2011]

»Unbewußte Prozesse in Gang setzen«Interview mit Werner Haypeter in "MC aktiv" » (pdf | 255 kb)

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